So sieht ein vorbildlicher Kanarienbauer aus: Geräumig, abwechslungsreich, sauber und für die Vögel immer wieder interessant !!!

Auch das können Kanarienvögel: handzarm und zutraulich werden. Dazu gehört etwas Geduld und das vielbesagte glückliche Vogelhändchen:

Vor der Anschaffung zu überlegen

Der Kauf eines Vogels darf nicht voreilig erfolgen und nicht nur einer vorübergehenden Laune entspringen. Ein Kanarienvogel kann bis zu 15 Jahre alt werden und er erwartet jeden Tag Pflege und Zuwendung.
Vögel sind Lebewesen und keine Ergänzung der Wohnungseinrichtung, kein Modeartikel oder Spielzeug. Leider sind sie auch entgegen einer allgemein verbreiteten Meinung keine pflegeleichten Hausgenossen.  
Vor der Anschaffung eines Kanarienvogels sollten Sie sich die folgenden Fragen kritisch stellen:
Steht ausreichend Geld und Zeit zur Verfügung?
Welche Ansprüche stellt der Vogel an Käfiggröße und Futter?  
Wo kann der Vogel untergebracht werden?  
Wer pflegt den Vogel im Urlaub?  
Können nicht alle diese Fragen befriedigend beantwortet werden, dann sollten Sie auf die Anschaffung eines Vogels verzichten.

Was ist beim Kauf eines Kanarienvogels wichtig ?

Ein Vogel sollte möglichst direkt vom Züchter gekauft werden, denn dort ist Hilfe zu Fragen zur Haltung und Auskunft über die bisherige Fütterung zu erhalten.  Außerdem kann ein persönlicher Kontakt mit Fachkundigen bei später eventuell auftretenden Problemen nützlich sein.
Organisierte Vogelzüchter erkennen Sie daran, dass die Vögel mit einem geschlossenen Fußring, der die bei AZ oder DKB eingetragene persönliche Ringnummer des Züchters enthält, beringt worden sind. Verantwortungsvolle Züchter halten die Zuchttiere während der Zucht paarweise und betreiben eine kontrollierte Linienzucht, durch die die wünschenswerten Eigenschaften der Vögel (Gesundheit, Farbe, Verhalten, Gesang etc.) erst gefestigt werden können. Daher ist der Kauf eines gesunden, schönen Kanarienvogels beim Züchter häufig nicht wesentlich günstiger als im Handel, da die Zucht mit großem Aufwand betrieben wird. Außerdem lassen verantwortungsvolle Züchter ihre Zuchttiere höchstens zwei Mal im Jahr Jungtiere aufziehen. Die Massenproduktion von Kanarienvögeln, bei der die Hennen ständig von Mauser zu Mauser legen und Jungtiere aufziehen müssen, wird von organisierten Züchtern strikt abgelehnt. Meistens hat man daher an seinem neuen Gefährten mehr Freude, wenn er aus einer organisierten Kanarienzucht stammt. Die Vögel werden ständig beobachtet und gegen die schlimmsten Kanarienkrankheiten vorbeugend behandelt.

Während des Besuchs beim Züchter sollten Sie den Zuchtraum und die Volieren in Augenschein nehmen.
Der ausgewählte Vogel wird im Käfig beobachtet, ohne ihn dabei zu beunruhigen.
Sitzt er aufgeplustert da?  
Wird die Sitzstange nicht kräftig mit den Zehen umschlossen?
 Ist das Gefieder verschmutzt?  
Wippt der Schwanz beim Atmen?  
Gibt sich der Vogel auffällig zahm?  
Ein solcher Vogel ist nicht gesund und sollte nicht gekauft werden. Es sollte also nicht der ruhigste Vogel ausgesucht werden, denn es handelt sich nicht unbedingt um ein liebes und zahmes, sondern wahrscheinlich um ein krankes Tier.
Ein gesunder Vogel hat wache Augen, nimmt Anteil an der Umgebung, ist in eine Schar weiterer Vögel integriert und wird sich jedem Fangversuch durch Flucht entziehen.

Haltung und Haltungsfehler

Kanarienvögel sind außer während der Brutzeit Schwarmvögel. Daher sollten Sie sich immer für wenigstens zwei Vögel in einem Käfig entscheiden. Die "alte Weisheit", dass ein einzelner Vogel zahmer wird als mehrere Vögel in einem Bauer zusammen, stimmt absolut nicht. Wenn Kanarienvögel Vertrauen zu seinem Besitzer gefunden haben, werden sie von ganz alleine zutraulich. Das gilt um so mehr, wenn sich der Vogel zusammen mit einem oder mehreren Artgenossen in seiner Umgebung wohlfühlt.
Ob Sie sich für ein Pärchen oder zwei Männchen entscheiden ist ohne Belang. Bedenken Sie aber, dass Weibchen nicht singen können.

Käfighaltung
Kanarienvögel können in geräumigen Bauern gehalten werden. Allerdings sollte dabei nicht vergessen werden, dass ein Vogel zur Gesunderhaltung auch einmal fliegen muss. Geben Sie Ihren Schützlingen daher regelmäßig Gelegenheit, im Zimmer einige Flugrunden zu drehen - Sie werden sehen, nach einer Weile gehen die Vögel in Ihren vertrauten Bauer von ganz alleine zurück.

Käfig
Generell gilt, dass der Käfig so groß wie möglich sein sollte.  Für Kanarienvögel  sollte der Bauer länger als hoch sein, um auch einige Flügelschläge zu ermöglichen.
Runde Käfige sind in jedem Fall abzulehnen, da sie den Vögeln weder genügend Möglichkeiten zum Hüpfen, geschweige denn zum Fliegen bieten.  Durch die stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit kommt es häufig zu Verhaltensstörungen und Übergewicht. Käfigvögel, die längere Zeit keinen Freiflug hatten, sind schon nach kurzer Flugzeit außer Atem. Hier hilft nur der regelmäßige Freiflug. as stärkt zudem das gesamte Imunsystem des Vogels und beugt so Krankheiten vor.
Die regelmäßige, wöchentliche Reinigung sollte mechanisch mit Wasser und Seife oder Geschirrspülmittel erfolgen. Anschließend muss gründlich getrocknet werden, bevor der Vogel wieder in seine Behausung hinein darf.

Stangen
Der Käfig sollte nur zwei bis drei Stangen enthalten, damit genügend Platz für Bewegungen übrig bleibt.
Achten Sie darauf, dass die Stangen weit genug voneinander entfernt sind, um den Vogel auch zur Benutzung seiner Flügel zu zwingen. Als Stangenabstand im Kanarienvogelkäfig sind 30 bis 40 cm zu empfehlen.  Weiden- oder Obstbaumzweige mit Rinde eignen sich am besten. Sie sind weich, haben unterschiedliche Durchmesser und darüber hinaus noch wertvolle Inhaltsstoffe.  Diese Zweige sollten jedoch so häufig wie möglich, mindestens einmal monatlich ausgewechselt werden , da sich in den rauhen Oberfläche nur allzugerne Milben und andere Plagegeister einnisten. Buchenholzsitzstangen aus dem Fachhandel haben sich ebenfalls bewährt. Sie können mit heißem Wasser überbrüht werden. Nach der Abtrocknung können sie wieder in den Käfig gegeben werden.
Viereckige Sitzstangen sind völlig ungeeignet.
Plastikstangen sind viel zu hart und fördern, ebenso wie das zur Abnutzung der Krallen angebotene Schmirgelpapier auf den Stangen oder dem Käfigboden, die Entstehung von Druckstellen und Sohlengeschwüren an den Fußgelenken und Zehen der Vögel.
Auf jeden Fall sollte man auf unterschiedliche Durchmesser der Sitzstangen achten. So können die Vögel ihre Fußgelenke ständig trainieren. Gelenkkrankheiten wird so vorgebeugt.

Käfigboden
Um eine schnelle und gründliche tägliche Reinigung zu gewährleisten, legt man den Käfigboden statt mit Sand mit Haushalts- oder Zeitungspapier aus.  Kot und Harnbeschaffenheit können so kontrolliert werden und es wird kaum Staub aufgewirbelt. Bei Sandeinstreu besteht auch die Gefahr, dass der Vogel gleichzeitig mit dem Sand vom Käfigboden Kot und eventuell Keime und Parasiten aufnimmt.  Diese Gefahrenquelle wird geringer, wenn dem Vogel Sand und Grit in kleinen Näpfen angeboten wird, so dass er keine Veranlassung mehr hat, zwischen seinem Kot auf dem Boden nach Gritsteinchen zu suchen.
Das Abdecken des Käfigbodens mit einem Gitter kommt für Kanarienvögel nicht in Betracht, zumal die Kotablagerungen unter dem Gitter ebenfalls zur Übertragung von Krankheiten führen können.
Das Auslegen des Käfigbodens mit vorgefertigten Sandpapier mag zwar auf den ersten Blick schön und bequem sein. Für den Vogel ist das Herumlaufen auf diesem Papier jedoch eine Tortour, da die Schmirgelwirkung der festen Sandkörner die empfindlichen Füße der Tiere reizt.

Gritsteine und Kalk
Magengrit (Aquariumkies oder -sand, besser noch spezielle Gritmischungen mit Muschel- und Steinchenanteilen) kann entweder separat in kleinen Hängenäpfen oder zusammen mit dem Futter angeboten werden.  Körnerfresser sind zur mechanischen Futterzerkleinerung der Nahrung im Muskelmagen auf Gritsteine angewiesen.
Besonders in Zeiten erhöhten Kalkbedarfs (Brutsaison, Mauser) ist darüber hinaus eine ausreichende Versorgung mit Kalk wichtig.  Er wird in Form von Kalkstein, Sepiaschale (vorher wegen des Salzgehalts wässern) oder Kalkgrit (gewaschene, zerkleinerte Muschelschalen) bereit gestellt.

Futter- und Trinknäpfe
Futter und Wasser wird in Näpfen angeboten. Diese sollten nicht direkt unter einer Sitzstange angebracht werden, so dass eine Verunreinigung mit Kot ausbleibt. Eine Abdeckung ist dafür zusätzlich nützlich. Futter- und Wassernäpfe werden täglich gereinigt und anschließend gut getrocknet. Bewährt haben sich mindestens zwei Trinkgarnituren, die täglich im Wechsel an den Bauer gehangen werden.
Auch Futterautomaten, die sich im übrigen nur für trockenes Körnerfutter eignen, müssen täglich kontrolliert werden, zumal der Auslass schnell durch Spelzen verstopfen kann.
Für Kanarienvögel haben sich Näpfe mit einem Loch, durch das die Vögel zur Futteraufnahme ihren Kopf stecken müssen, bewährt. So bleibt der Futternapf sauber und es wird wenig Futter verschwendet, da die Vögel die Körner zum Entspelzen einzeln aus dem Napf entnehmen müssen. Achten Sie bei neuen Vögeln aber auf eine langsame Eingewöhnung. Vögel, die solche Lochnäpfe nicht kennen, suchen im Käfig verzweifelt nach Futter und können sogar verhungern. Am Besten Sie streuen in der Anfangszeit etwas Futter auf den Käfigboden. Die Menge dieses Futters sollte täglich verringert werden. Im Lochnapf muss natürlich immer ausreichend Futter enthalten sein.
In Trinkwasserautomaten können sich bei direkter Lichteinstrahlung besonders schnell Algen bilden und daher muss nicht nur ein tägliches Nachfüllen, sondern auf alle Fälle auch eine tägliche Säuberung erfolgen! Das beugt zudem der bei Kanarienvögeln immer häufiger vorkommende Infektion mit Trichomonaden vor.


Bademöglichkeit
Kanarien sind Wasserratten. Deshalb sollte jeder Vogel täglich die Möglichkeit zum Baden haben. Entweder bekommt er ein Badegefäß in den Käfig gestellt oder er wird mit einer Blumensprühflasche mit frischem Wasser abgeduscht.  In Sprühflaschen können sich Bakterien ansiedeln, deshalb müssen diese ebenfalls gründlich gereinigt werden. Blumenspritzen, in denen zuvor Dünger oder Pflanzengifte versprüht worden sind, eignen sich - auch nach gründlicher Reinigung - nicht für die Verwendung beim Kanarienvogel !
Man verwendet kaltes Wasser, weil warmes Wasser  in das Federkleid eindringen und so eine Erkältung entstehen kann.  Anschließend nicht frottieren, nicht fönen, sondern den Vogel lediglich in einen warmen, zugfreien Raum setzen.

Standort des Käfigs
Der Käfig sollte in Augenhöhe des Menschen aufgestellt werden und mit einer Seite an der Wand stehen. Der Standort sollte möglichst selten gewechselt werden. Der Käfig darf nicht der direkten Sonneneinstrahlung (Fensterbank) ausgesetzt sein. Die Küche ist wegen der Essensdämpfe und der Gefahrenquellen beim Freiflug sowie wegen Vergiftungsmöglichkeiten kein idealer Platz für einen Vogelkäfig.
Um dem Vogel ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben, bieten sich Plätze in hellen Ecken an, so dass der Käfig von zwei Seiten durch die Wand abgegrenzt wird. Die Tiere fühlen sich darin sicherer als in allseits offenen  Bauern. Außerdem sollte jeder Bauer nachts abgedeckt werden, so dass der Vogel selbst bei künstlicher Beleuchtung und Fernsehberieselung feste Tages- und Nachtzeiten einhalten kann.

Temperatur
Der Tag- und Nachtrhythmus sollte auch durch unterschiedliche Raumtemperaturen zum Ausdruck kommen.
Bei zu hohen Temperaturen (über 40 Grad C) versuchen Vögel sich durch Abspreizen der Flügel und Atmen mit geöffnetem Schnabel (Hecheln) abzukühlen.  Die Federn werden eng an den Körper angelegt, um die isolierende Luftschicht so klein wie möglich zu bekommen.  Dieses "Schlankmachen" zeigen Vögel auch bei Angst oder Aufregung.
Bei zu niedriger Umgebungstemperatur sitzen Vögel aufgeplustert, um so die isolierende Luftschicht ihres Federkleides zu vergrößern.  Dieses Aufplustern ist bei einem gesunden Vogel bei kalten Außentemperaturen (unter 7 Grad C) eine ganz normale Reaktion.  Wenn sich der Vogel aber bei normalen Temperaturen so aufplustert, ist dies meistens ein Zeichen für eine Erkrankung.

Licht
Vögel sind in ihren Lebensäußerungen stark abhängig vom Tageslicht.  Tageslänge und Jahreszeit beeinflussen maßgebend die Aktivitäten und
den Lebensrhythmus.
Futter wird nur bei Tageslicht aufgenommen, so dass es im Winter zu mangelnder Futteraufnahme mit Abmagerung kommen kann. Die Verlängerung der Tageslichtlänge im Frühjahr führt zur Anregung der männlichen und weiblichen Keimdrüsen. Käfigvögel sollten daher im Sommer Zugang zu Sonnenlicht haben. Sie müssen aber jederzeit die Möglichkeit haben, in den Schatten auszuweichen und dürfen keinesfalls der prallen Sonne schutzlos ausgesetzt werden. Durch die Sonnenlichtbestrahlung kann Störungen der Mauser, des Hormonhaushaltes und des Stoffwechsels vorgebeugt werden. So wandeln Sonnenstrahlen Vorstufen von lebenswichtigen Vitaminen in die wirksamen Endstufen um.
Günstig bei Sonnenlichtmangel sind Lampen, deren Licht auch UV-Strahlen abgibt, beispielsweise die True-Lite-Lampen.  Sie sollten aber regelmäßig gewechselt werden, da es bei Überalterung zu einer Erhöhung des UV-Anteils im Licht und dadurch hervorgerufene Futtermittelsterilisationen und Zerstörungen der normalen Keimbesiedelung im Darm kommen kann.

Luft
Bedingt durch ihre hohe Stoffwechselaktivität haben Kanarienvögel einen großen Sauerstoffbedarf. Unterbringung in schlecht gelüfteten, staubigen Räumen sollte vermieden werden.  Auf keinen Fall dürfen Kanarien Zugluft ausgesetzt werden, Krankheiten der Atemwege können die Folge sein. Rauchen im Raum des Kanarienvogels ist außerdem absolut Tabu. Wenn Sie Raucher sind, sollten Sie für Ihren Vogel einen geeigneten Platz in einem Raum ohne Zigarettenqualn auswählen.
Eine Luftfeuchtigkeit von 60-70 % gilt für die Kanarienvögel als optimal.  Im Winter sollten daher Wasserbehälter an die Heizkörper der Wohnräume gehängt werden.
Fütterung

Fütterungsfehler zählen zu den häufigsten Ursachen für Erkrankungen von in Einzelkäfigen gehaltenen Kanarien.  Grund dafür ist oft die ungenügende Kenntnis der Besitzer über Futterbedarf und -gewohnheiten der Vögel.
Ein Kanarienvogel kann sterben, wenn er für einen Tag kein Futter vorfindet. Im Urlaub ist es also nicht möglich, den Vogel zu Hause zu lassen und womöglich Futter für eine Woche in seinen Bauer zu streuen in der Hoffnung, der Vogel würde sich die Menge einteilen.  Auch reicht es nicht, wenn ein Nachbar einmal am Tag nach dem Vogel sieht.

Futtermischungen
Vogelfutter muss immer kühl und trocken gelagert werden. Riecht das Futter muffig, ist es von Futtermilben befallen und sollte nicht verfüttert werden.
Die weitverbreitete Meinung, dass Kanarienvögel ausschließlich vegetarisch ernährt werden müssen, ist falsch.  Außerdem ist ein Futterangebot abzulehnen, das jahreszeitliche Schwankungen nicht beachtet, da es hierdurch zu Stoffwechsel- und Fortpflanzungsstörungen kommen kann.  Die handelsüblichen Futtermischungen für Kanarienvögel setzen sich aus Pflanzensamen zusammen, die im wesentlichen Kohlenhydrate (Stärke, Zucker) enthalten, so dass bei ausschließlicher Fütterung ein Mangel besonders an tierischem Eiweiß und Vitamin A entstehen würde. Darüber hinaus ist das Verhältnis von Kalzium und Phosphor ungünstig, so daß es für Jungtiere zu ungenügender Einlagerung von Mineralstoffen in die Knochen kommen kann.

Zimmerpflanzen müssen beim Freiflug im Auge behalten werden, da Kanarien sich auf alles Grüne stürzen und daran herumknabbern. Viele Zimmerpflanzen sind jedoch für Vögel giftig, weshalb es hier zu Todesfällen kommen kann.

Wasser
Die tägliche Wasseraufnahme des Kanarienvogels schwankt  zwischen 10 und 20 % des Körpergewichtes und ist von der Umgebungstemperatur und der Futterbeschaffenheit abhängig.  Mit dem Trinkwasser nimmt der Vogel auch Jod auf, welches in die Schilddrüsenhormone eingebaut wird.  Da der Vogel auch Mineralstoffe mit dem Trinkwasser aufnimmt, sollte weder abgekochtes, noch gefiltertes Wasser gegeben werden, eher eignet sich Mineralwasser ohne Kohlensäure oder normales Leitungswasser. Die von einigen Herstellern angebotenen Trinkwasserzusätze können ab und zu verabreicht werden. Die ständige Gabe von "Vogelwasser" aus dem Handel ist aber nicht erforderlich.

Eiweiß
Um einem Mangel an Eiweiß durch ausschließliches Körnerfutter vorzubeugen, wird zusätzlich einmal wöchentlich  tierisches Eiweiß in Form von Ei (mindestens 10 Minuten kochen), Quark, Frischkäse oder Joghurt angeboten.  Ein erhöhter Bedarf an Eiweiß besteht während der Mauser und in Zeiten der Eibildung.
Zum Knabbern und zur Beschäftigung werden besonders im Frühjahr Obstbaumzweige mit frischen Knospen angeboten.  Sie zeichnen sich sowohl durch ihren Eiweißgehalt als auch durch den hohen Anteil an Gerbsäuren und Ballaststoffen aus.
Durch das Vorkeimen der Körnerfuttermischung kommt es zur besseren Verdaulichkeit und zur Anreicherung von Vitaminen.  Auch der Eiweißgehalt wird erhöht.  Bei diesem Keimfutter ist aber Vorsicht bei warmem Wetter geboten!  Es kann verderben und Schimmelpilze können sich entwickeln, auf die Kanarienvögel außerst empfindlich reagieren.

Vitamine
Vitamine sind lebensnotwendig, da sie Bestandteile verschiedener Hormone und Fermente sind und wichtige Funktionen im Stoffwechsel übernehmen.  Die Vitamine A, D und E sind fettlöslich und können im Körper gespeichert werden.  Nur bei diesen Vitaminen kann es daher auch zur Überdosierung kommen.
Von den Vitaminen können die meisten Vögel lediglich Vitamin C und D selbst herstellen, alle anderen Vitamine müssen mit der Nahrung zugeführt werden.
Vitamine holt sich der Vogel aus Obst wie Apfel, Banane, Apfelsine, aus Gemüse wie Paprika und Petersilie oder aus Grünzeug wie Vogelmiere und Löwenzahn.  Kopfsalat kann ebenfalls gelegentlich angeboten werden, sollte aber gründlich gewaschen und nur in kleinen Portionen angeboten werden.  Löwenzahn und Vogelmiere sollten nicht gerade von Straßenrändern gepflückt werden. Die in ihnen enthaltenen Abgasrückstände könnten Vergiftungs-erscheinungen auslösen.  Kohl und Schotengemüse sollten nur in kleinen Mengen gegeben werden, da sie zu Blähungen führen können.  In tierischen Produkten wie Ei ist das fertige Vitamin A enthalten.  In Grünfutter wie Vogelmiere, Salat, Karotten oder Mais tritt es in Form einer Vorstufe auf (Carotin).
Nimmt der Vogel keinen der genannten Vitaminträger auf, sollte Vitamin A in der Dosierung 4000-5000 Internationale Einheiten (l.  E.) je Liter dem Trinkwasser zugesetzt werden; eine Überdosierung kann unter anderem Allgemeinstörungen, Hautentzündung und Federveriust herbeiführen.  
In handelsüblichen Samenmischungen fehlt häufig Vitamin D. Zur Umwandlung des Provitamins (Ergosterin, 7-Dehydrocholesterin) bedarf es des Sonnenlichtes.  Vitamin D fördert den Einbau von Kalzium und Phosphor in den Knochen.
Vitamin E kommt in fetthaltigen Getreidekörnern wie Leinsamen, Raps, Rübsen, Hanf und Negersaat vor. Es hat wichtige Funktionen beim Stoffwechsel und im Fortpflanzungsgeschehen. Bei Verfütterung großer Mengen ranziger Getreidekörner kann es zu Mangelerscheinungen wie herabgesetzte Befruchtungsraten, Gehirnschäden, Zittern, Kopfdrehen usw. kommen.
B-Vitamine können im Vogelkörper nicht gespeichert werden und müssen daher regelmäßig zugeführt werden.  Sie sind in Bierhefe, Eiern, frischem Gemüse und Pflanzenkeimlingen enthalten, werden aber auch von den Darmbakterien aufgebaut.  

Zur Ergänzung des Vitamin- und Mineralienbedarfs ist es angebracht, wöchentlich einmalig ein gutes Vogelvitaminpräperat aus dem Fachhandel über das Trinkwasser zu verabreichen. Die Lösung ist täglich frisch zuzubereiten, da die Vitamine schon nach kurzer Zeit ihre Wirksamkeit verlieren.
Vorsicht vor Überdosierungen ! Die Dosierungsangaben des Herstellers müssen genau einhalten.

Mineralstoffe
Diese anorganischen Substanzen werden vermehrt zu Zeiten des Wachstums, der Mauser und der Legetätigkeit gebraucht. Die einfachste und billigste Möglichkeit ist Zugabe von zerkleinerten Schalen von hart gekochten Eiern oder Muschelkalk zum Futter.


Literaturhinweise:

Kanarien, Klaus Speicher, ISBN 3800172852

Alles über Kanarienvögel, Heinz Schnoor, ISBN 3806809011

Das große Kanarienbuch, A. Rutgers, ISBN 9060361156 (im Handel nicht mehr erhältlich)