Die Vogelzucht und -liebhaberei hat auch einen sportlichen Aspekt. Zum Vergleich der Nachzuchten untereinander und mit vorgegebenen Standards für die einzelnen Kanarienrassen gibt es Vogelausstellungen.
Züchter können dort ihre selbstgezüchteten Vögel des aktuellen Zuchtjahres ausstellen und bewerten lassen.  Die Bewertung erfolgt von ausgebildeten Preisrichtern, die drei Jahre lang ausgebildet wurden und eine - nicht ganz leichte - Prüfung ablegen müssen. Die Vögel werden in genormten Ausstellungskäfigen einzeln oder als sogenannte Kollektion (vier Vögel) ausgestellt. An den Ausstellungskäfig, in dem die Vögel nur während der Ausstellungstage hinein müssen, werden die Kanarien behutsam gewöhnt. Das geschieht zumeist mit leckerem Futter, so dass viele Ausstellungsvögel bereitwillig in den Ausstellungskäfig ziehen, da sie damit etwas Angenehmes verbinden.
Ausgestellt werden die Kanarienvögel als
Farbenkanarien
oder Positurkanarien.
Wie der Name schon verrät, kommt es bei den Farbvögeln in erster Linie auf die Farbe an (die Form und Größe ist aber auch Bewertungskriterium). Bei den Positurvögeln - es gibt mittlerweile 28 anerkannte Rassen - wird vornehmlich die Körperform und -haltung bewertet.
In jedem Fall können maximal 100 Punkte vergeben werden, wobei realistisch für einen Supervogel bis zu 93 Punkte tatsächlich vergeben werden. Ein Vogel mit 90 Punkten gehört aber schon zur Spitzenklasse.

Bewertungskriterien bei Farbvögeln im Einzelnen:

Melanin
Bei Dunkelvögeln wird hier die Farbe und Form der dunklen Federn bewertet.

Lipochrom
Hier wird die sogenannte Fettfarbe (rot, gelb, weiß) bewertet.

Kategorie
Hierunter wird die Intensität oder der Mosaikfaktor bewertet. Neben den Mosaikvögeln gibt es intensive und schimmel Vögel. Bei den Intensiven reicht die Fettfarbe bis in die Federspitzen, bei den Schimmelvögeln ist der Federrand weiß gesäumt.

Gefieder
Hier wird die Qualität des Gefieders bewertet.

Form und Größe
Auch bei den Farbkanarien ist die Form und Größe (13,5 bis 14,5 cm) mit 15 Punkten maximal Bewertungskriterium.

Haltung
Die Haltung im Schaukäfig verrät ein gutes Schautraining.

Gesamteindruck
Hier werden die einzelnen Positionen nochmals berücksichtigt. Zusätzlich wird die Sauberkeit des Käfigs bewertet.

Für die Bewertung der einzelnen Positurrassen kommen andere Bewertungskriterien zum Tragen. Exemplarisch werden die Bewertungspositionen eines Pariser Trompeters erläutert:

Stützfeder, Mantel, Brustfrisur
Die Hauptfrisuren des Vogels (Flanke, Rücken und Brust) werden hier bewertet.

Gefieder
Hier wird die Gefiederqualität gewertet.

Größe
Die Größe eines Pariser Trompeters soll mindestens 19 cm betragen.

Haltung
Die Haltung im Ausstellungskäfig wird hier bewertet. Der Vogel soll aufrecht sitzen und nicht hin und her flattern.

Kopf
Hier werden die Kopffrisuren bewertet.

Hahnenfedern
Einige Positurrassen - darunter auch der Trompeter - müssen längere Federn, die am Schwanzansatz recht und links herausragen, zeigen.

Flügel
Sie sollen lang, geschlossen und anliegen.

Schwanz
Er soll lang und breit aber geschlossen sein.

Beine
Zum Vogel passend. Korkenzieherkrallen, wie früher üblich dürfen die Vögel zeigen, müssen sie aber nicht haben.

Hals
Hier werden die Halsfrisuren bewertet.

Gesamteindruck
Hier werden die einzelnen Positionen nochmals berücksichtigt. zusätzlich wird die Sauberkeit des Käfigs bewertet.

Wer seine selbst gezüchteten Vögel ausstellen will, muss diese mit geschlossenen Fußringen mit der eigenen Züchternummer beringen. Diese Ringe werden von den beiden großen Dachverbänden DKB und AZ an ihre Mitglieder ausgegeben. Durch den Ring kann der Züchter eines Vogels zweifelsfrei identifiziert werden, so dass auch wirklich nur die selbst gezüchteten Vögel ausgestellt werden können. Nicht derjenige, der ein dickes Portemonnaie hat, kann auf Vogelschauen gewinnen, sondern nur derjenige, der erfolgreich Vögel züchtet.

Ausgestellt werden kann auf
Ortsschauen der örtlichen Vogelvereine,
Landesschauen der Landesverbände und
Deutschen Meisterschaften oder der Bundesschau. Dort kommen Züchter aus ganz Deutschland, um ihre Vögel zu zeigen.
Der Sieger trägt beim DKB den Titel "Deutscher Meister", bei der AZ "Bundessieger".

Die Vögel werden nach Farben und Rassen getrennt ausgestellt, damit auch nur gleiche Rassevögel gegeneinander konkurrieren. Ansonsten würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Die Aufteilung erfolgt in vorgegebenen Schauklassen, in die der Züchter seine Vögel einreihen und anmelden muss.



Bewertungskartenbeispiele